Historischer Autofriedhof Gürbetal
Vor ein paar Tagen bin ich an einem Autofriedhof bei uns in der Nähe vorbeigefahren und hegte die Idee, dort mal anzuklopfen und ein paar Fotos zu schiessen von den alten maroden Gefährten.
Sollte das ein Zeichen sein?
Gestern fiel mir ein Bericht im Web über den Autofriedhof “Gürbetal” in den Tiefen des Kantons Bern auf. Leider etwas spät, wie sich herausstellen sollte. Denn am vergangenen Wochenende organisierte das Organisationskomitee “Historischer Autofriedhof Gürbetal” einen Tag der offenen Tür, um erstmals einem breiten Publikum das vielleicht zukünftige Freilichtmuseum zu öffnen.
Vielleicht auch zum letzten Mal.
Der heutige Besitzer Franz Messerli übernahm 1975 von seinem Vater den Autoschrottplatz. Dieser drehte den Schlüssel und liess den Friedhof mehr als 30 Jahre ruhen - daneben entstand ein neuer Schrottplatz. Wie ein Generationenwechsel, könnte man meinen.
In den letzten Jahren wurden die Juristen aktiv, wollten den Schandfleck räumen lassen, weil er nicht den aktuellen Bestimmungen entspricht. Niemand hat vor 50 Jahren an einen befestigten Boden unter den Autos gedacht, sich gross gesorgt um etwas auslaufendes Öl oder oxidierende Karossen. Nun spricht man von Umweltschutz, verseuchtem Boden und Gefahr für das Grundwasser. Dass aus so einem alten, ruhenden Kulturgut noch viele Giftstoffe entweichen, scheint für mich recht unwahrscheinlich. Dass die rostenden Habseligkeiten schon vor zig Jahren dort standen und rosteten wird anscheinend vernachlässigt.
Messerli plant seit längerem ein Freilichtmuseum, mittlerweile auch gestützt von 2200 Unterschriften die am Tag der offenen Tür gesammelt wurden und dem Organisationskomitee “Historischer Autofriedhof Gürbetal”. Bisher hat man sich nicht kleinkriegen lassen, Messerli zog sein Anliegen durch alle Instanzen, leider erfolglos. Das Bundesgericht entschied gegen ihn und das Museum. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Falls alle Stricke reissen und er den Platz räumen muss, will er jedes Wrack einzeln verschrotten lassen. Eine traurige Vorstellung für einen einmaligen Platz, welcher mehr Kultur als viele andere Orte beherbergt.
Ich würde mir wünschen, dass unsere manchmal sehr kleingeistige Schweiz dieses Kulturgut bestehen lässt.
Weitere Infos:
- Komitee “Historischer Autofriedhof Gürbetal“
- Mein Besuch des Autofriedhofs
- Meine Bilder des Autofriedhofs
- Es tut sich was im Autofriedhof
- Bericht der BZ zum “Tag der offenen Tür”
- Bericht vom Bund über den Friedhof
- 2200 Unterschriften, BZ
- Fotos auf Flickr des Friedhofs
12. September 2007 um 23:15
für alle fans:wohne ganz in der nähe.ich durfte noch vor dem tag der offenen tür auf dem friedhof fotos machen.bin weder fotografin noch autofreak.aber nach dieser session auf dem friedhof finde ich ich nur folgende worte:fantastische welt. in einigen tagen werde ich meine besten bilder in meine www.kuenstlerin.biz stellen.ich durfte auch meinen rost ausstellen.hier ein groses Danke dem franz messerli.
12. September 2007 um 23:32
denkst du, dass es auch nach dem tag der offenen tür kein problem sein sollte, für ein paar fotos den friedhof zu besichtigen?
20. Mai 2008 um 12:57
Der Friedhof wird ein letztes Mal zu besichtigen sein. Ende Mai bis Oktober. Danach wird er aufgehoben, wegen Umweltschutzbestimmungen.
20. Mai 2008 um 21:13
CTC: dachte das sei noch nicht definitiv. Von der Kunstausstellung weiss ich.
21. September 2008 um 21:54
Ja, es mag schon sehenswert sein, aber ein Stück weit ist es auch eine gigantische, problematische Ansammlung von Messie-Müll. Schön anzusehen, aber nicht wervoller als der schöne Holunderbaum, der ganz in der Nähe zu sehen ist…
29. Oktober 2008 um 22:11
Habe heute die Photos vom Autofriedhof abgeholt im Photolabor. Der Besuch auf diesem Stück Land war einzigartig und unvergesslich. Wird er wirklich geschlossen? Am 5. Oktober unserem Besuchstag standen nachmittags um 1530 Uhr immer noch rund 150 Personen vor der Kasse. Der Andrang war grossartig. Zehntausende von Oldifan haben ihn noch nicht gesehen. So etwas wird es nie mehr geben. Schade…
19. Dezember 2008 um 15:23
Der Platz hat zwar seinen morbiden Charme, was aber unterscheidet die Sturheit der Schweitzer Behörden von dem trotzigen Besitzer, der die Schätze lieber vernichtet als sie der Allgemeinheit zu zuführen?
Schon allein das er 30 Jahre keinen hinein gelassen hat und diese „Schätze“ dem verfall preisgegeben hat ohne sich um was anderes als SEINE Interessen zu kümmern. Jetzt, wo der Untergang droht, werden auf einmal die Pforten zu den heiligen Hallen geöffnet und Besucher eingelassen um Unterschriften für den Erhalt zu erbetteln.
Ich erwähne jetzt nicht, was ich von dem Erpressungsversuch halte, alle Autos zu verschrotten, wenn der Herr Messerli nicht seinen Willen bekommt. Ein wahrer Menschenfreund scheint mir dieser Herr aber nicht zu sein.
29. März 2009 um 01:38
[…] Historischer Autofriedhof Kaufdorf […]